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Metkrug / Metbecher

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Geschichte und Herstellung von Ton-Gefäßen

Vom Zufallsprodukt zur Alltagskultur

Ganz sicher ist sich die Wissenschaft bis heute nicht, wie der Mensch einst auf die Idee kam, Lehm von Hand zu formen, zu trocknen und durch Brennen am offenen Feuer oder in der Glut aushärten zu lassen. Wenn wir uns heute einen kunstvoll glasierten Tonbecher kaufen, stellt sich kaum jemals die Frage nach dem Wie. Einig sind sich Historiker*innen aber, dass die figürliche Kunst aus Ton lange Zeit vor dem Herstellen von Gebrauchskeramik praktiziert wurde. Eigentlich ist es also dem Kunstsinn unserer Vorfahren zu verdanken, dass wir heute einen Tonkrug kaufen können, wann immer uns der Sinn danach steht.

Am Anfang war die Venus

Archäologischen Ausgrabungen im heutigen Tschechien aus dem Jahr 1925 haben wir den bislang ältesten Keramikfund der Menschheitsgeschichte zu verdanken. Die aus Lehm gefertigte Frauenfigur erhielt den Beinamen "Venus von Dolní Věstonice" und kann auf stattliche 30.000 Jahre datiert werden. Das katapultiert sie direkt aus der Altsteinzeit in unsere moderne Welt. Bis zur Entstehung von Tonbecher und Tonkrug war es jedoch noch ein langer Weg. Die ältesten bekannten Scherben von Gebrauchskeramik stammen aus einer Höhle in Xianrendong (China). Sie werden auf ca. 19.000 bis 20.000 Jahre datiert. In Fragmenten von großen Tonbechern aus Japan konnten Spuren von Meeresfrüchten nachgewiesen werden. Sie schätzt die Wissenschaft auf 15.000 Jahre, was uns den ungefähren Richtwert für das Entstehen des ersten Kochtopfes aus Ton liefert.

Steinzeit: Kreativ und prägend

Wie die ersten Gehversuche vonstattengingen, aus Lehm und Wasser die Urformen von Tonkrug und Tonbecher zu formen, kann man nur erahnen. Die frühesten Gefäßfunde aus Mitteleuropa stammen jedoch aus der Zeit um ca. 8.0000 v. Chr. und wurden noch in Wulsttechnik von Hand geformt. Doch bereits diese frühen Zeugnisse von Töpferkunst wiesen Verzierungen auf. Einfache Muster wurden bandförmig mit Holzkeilen oder Schnüren in den weichen Lehm gedrückt. Anhand dieser kreativen Signaturen konnten Archäolog*innen ganze Kulturkreise identifizieren und benennen (z.B. Schnurbandkeramik, Stichbandkeramik). Aber auch die charakteristischen Formen der Gefäße dienten dazu, ganze Kulturkreise gegeneinander abgrenzen zu können (z.B. Glockenbecherkultur). Die Formen reichten von großen Urnen, über Kochtöpfe sowie Tonkrug und Tonbecher in frühen Varianten. Aber auch kunstvoll gearbeitete Stücke konnte man bei Ausgrabungen zutage fördern. Weniger alltagstauglich wurden sie vermutlich für rituelle und religiöse Zwecke oder besondere Feierlichkeiten verwendet.

Die Töpferscheibe: Eine runde Sache

Wie viele Errungenschaften unserer modernen Zivilisation geht die Forschung auch bei der Töpferscheibe davon aus, dass sie aus den Ländern der frühen Hochkulturen (Mesopotamien, Ägypten) nach Europa gebracht wurde. Sie kann als erste industrielle Revolution bezeichnet werden, da das Töpfern mit ihrer Erfindung auf den nächsten Level gelangte. Die frühesten bekannten Funde werden um 6.000 v. Chr. datiert. Einen Tonbecher kaufen konnten weniger talentierte Zeitgenossen aber sicher damals schon.

Griechenland: Keramik der Superlative

Einen beachtenswerten Höhepunkt erreichte die Herstellung von Gebrauchskeramik im antiken Griechenland. Berühmt sind aus diesen Epochen hauptsächlich die Vasen, die mit ihrer Gestaltung die griechische Kunst in ihre heute noch gültigen Kategorien unterteilt: Der Geometrische Stil zeichnet sich durch umlaufende Mäander-Verzierungen und klare Dekors aus. Glasuren sind noch nicht bekannt. Allerdings verdanken wir die berühmte Amphore dieser Zeit. Sie sollte noch Jahrhunderte später als Superstar der Aufbewahrungs- und Transportgefäße dienen. Dieser frühe Tonkrug stand Pate für eine ganze Epoche von 900 bis ca. 675 v. Chr. Abgelöst wurde sie durch den Attisch-Schwarzfigurigen Stil, der mit seinen detaillierten bildlichen Darstellungen hauptsächlich Szenen aus der griechischen Sagenwelt zeigte. Der "Schwarze Stil" dominierte vom 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. und wurde vom vergleichsweise unruhigen, verschnörkelten "Roten Stil" abgelöst. Wer sich bei den alten Griechen einen solchen Tonkrug kaufen konnte, zählte also eindeutig zur Upper Class.

Rom: Internationaler Transport und feines Tafelgeschirr

Die antiken Römer hatten nicht nur eine Schwäche für ausgiebige Trinkgelage und internationale Expansion. Feine Luxusgüter und internationale Handelsbeziehungen gingen Hand in Hand. Für letztere erwiesen sich die Amphoren als ideale Transportkeramik. Sie konnten platzsparend gestellt oder gestapelt werden, wurden mit Besitzer- oder Händlerpunzen versehen und konnten so ziemlich alles stabil und sicher über weite Wege zu Wasser und zu Land transportieren. Um die feinen Speisen auch stilvoll auf den Tisch zu bringen, entstand in römischer Zeit die Urform unseres feinen Tafelgeschirrs. Es wurde aus dünnwandigem Ton gefertigt und feuerrot glasiert: Die Terra Sigillata findet sich weltweit und war der römische Exportschlager schlechthin. Aus Städten wie Rom oder Pompeij wissen wir auch, dass es in römischer Zeit bereits üblich war, Töpferwaren auf dem Forum − dem römischen Markt − feilzubieten. Um einen Tonbecher kaufen zu können, musste man nicht direkt zum Töpfer gehen. Dieses Gewerbe galt bei den Römern als nicht besonders angesehen. Aus diesem Grund, aber auch wegen der akuten Brandgefahr, die die Töpferöfen für ihre Umgebung bedeuteten, lebten Töpfer am Rand der Städte, isoliert vom Rest der illustren Gesellschaft. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab, ihre Werke wo immer möglich zu signieren. Zahlreiche Fundstücke aus römischer Zeit tragen ein Autogramm ihres Schöpfers: "Lucius f" zum Beispiel meint: Lucius fecit − Lucius hat es/mich gemacht. Ein schöner Gedanke, wenn wir heute noch einen Tonkrug kaufen könnten, Urheberrecht inklusive.

Mittelalter und Neuzeit: Tonbecher kaufen auf der Durchreise

Das menschliche Faible für schöne Dinge ließ nicht einmal während der Völkerwanderung nach. Doch einfach einen Tonkrug kaufen konnte sich auch im Mittelalter nicht jeder. Damals war besonders dickwandiges, glasiertes Kochgeschirr gefragt, wie zahlreiche Funde aus Latrinen dieser Zeit zeigen. Am Übergang zwischen spätrömischer Zeit und Frühmittelalter treten beide Kulturen noch Seite an Seite auf. Unter der Herrschaft der Franken entstand im deutschsprachigen Raum eine eigene, charakteristische Töpferindustrie. Doch niedergelassene römische Töpfer pflegten ihr Handwerk ebenfalls weiter und hatten nicht unbeträchtlichen Einfluss auf ihre einheimischen Zunftgenossen. Der Berufsstand des Töpfers allerdings profitierte von der Zeitenwende nicht. Ein ehrbares Handwerk und entsprechend gewürdigt wurden sie erst sehr viel später. Aus historischer Sicht war es das Gründen der Zunft ab dem 16. Jahrhundert, welche den Beruf des Töpfers endlich aufzuwerten vermochte und eine erste Maßnahme moderner Qualitätssicherung bedeutete.

Vom Feuer auf den Tisch

Tongefäße sind also weit mehr als nur Geschirr. Sie sind Zeitzeugen der Menschheitsgeschichte und haben in jeder Kultur ihren ganz eigenen Stil geprägt.